Anton Peter ist am 15. September 1945 in Seefeld zur Welt gekommen. Seine Kindheit verbrachte er mit seinen Eltern, seinen Geschwistern Angelika und Michael sowie dem Hund Tassilo in Drößling. Der Zentrale Ort für die Familie war die Küche; dort kamen immer alle zusammen. Anton half oft und gerne in der Gärtnerei des Vaters mit, was bis heute seine Vorliebe für Pflanzen, Gemüse und schöne, üppige Beete prägt. In Seefeld-Oberalting ging Anton zur Schule.
Er beschreibt sich selbst als braves, fröhliches Kind. Doch die eine oder andere Anekdote verrät dann doch, dass Anton manchmal auch ein „Lausbub“ sein konnte. So berichtete er zum Beispiel, dass er zusammen mit anderen Kindern große Steine vom Acker auf die Straße gelegt hat, um Autofahrer*innen am Weiterfahren zu hindern und sie damit ordentlich zu ärgern.
Eine besonders innige Beziehung pflegt Anton bis heute zu seiner vier Jahre jüngeren Schwester Angelika. Ihr absolutes Lieblingsspiel in Kindheitstagen war Verstecken. Einmal schloss Angelika ihren Bruder zum Spaß in seinem Versteck ein, sodass die Eltern ihn verzweifelt suchen mussten. Die Geschwister konnten außerdem viel voneinander lernen. So brachte Anton seiner Schwester zum Beispiel das Skifahren bei.
Das unbeschwerte Familienleben nahm jedoch eine erschütternde Wendung, als Anton im Alter von 15 Jahren seinen ersten Anfall erlitt. Von da an begann eine Odyssee von Klinik zu Klinik, bis die Ärzt*innen schließlich Epilepsie diagnostizierten. Antons Zustand verschlechterte sich stetig. Er wurde immer häufiger von starken Anfällen heimgesucht, sodass er nach einiger Zeit die Schule in Seefeld-Oberalting verlassen musste. An eine Lehre war nicht mehr zu denken und die Familie geriet an ihre Belastungsgrenze.
Mit 27 Jahren – nach einer langen und nervenaufreibenden Zeit des Ein- und Umstellens seiner Medikation – fing Anton in der Behindertenwerkstatt Garatshausen an zu arbeiten. Durch seine Tätigkeit in der dortigen Schnitzerei befand er sich nicht mehr in einer Isolations- und Sonderstellung, sondern war plötzlich einer von vielen. Auch für seine Familie war dieser Schritt eine positive Entwicklung: Sie konnte sich mit anderen Angehörigen über die neusten Medikamente, Therapiemöglichkeiten sowie gute Ärtz*innen austauschen. Als die Behindertenwerkstatt in Garatshausen schloss, wechselte Anton zu den Isar-Würm-Lech-Werkstätten in Machtlfing, wo er bis zu seiner Rente in verschiedenen Bereichen arbeitete - beispielsweise in der Küche, der Gärtnerei und der Schreinerei.
Nach dem Tod seiner Eltern lebte Anton drei Jahre lang bei seiner Schwester und ihrer Familie, was das innige Verhältnis weiter festigte. Im Jahr 1989 entschied Anton schließlich, dass unser Wohnheim Prinzenweg sein neues Zuhause werden sollte. Dort lebte er mit anderen Menschen mit Behinderung zusammen und konnte sein Leben selbstbestimmt gestalten.
Im Jahr 2007 haben wir ein weiteres Wohnheim in der Leutstettener Straße eröffnet. Pünktlich zu seinem Rentenbeginn zog Anton in die dort neu geschaffene Senior*innenwohngruppe um und kann bis heute seinen Ruhestand unter Gleichgesinnten genießen.
Anton engagierte sich lange Zeit bei der Bewohner*innenvertretung; er war sogar einige Jahre Vorsitzender. Nach seinem 80. Geburtstag möchte er aber nur noch beratend tätig sein. Sein Einsatz war unter anderem auch in der Küche deutlich spürbar. Dort übernahm er aus eigenem Antrieb häufig Aufgaben von Spülmaschine ein- und ausräumen bis Kuchen backen. Mit zunehmendem Alter hat er die meisten Tätigkeiten jüngeren Mitbewohner*innen überlassen, doch um das Kaffeekochen kümmert er sich bis heute leidenschaftlich. Dabei zählt er die fünf Pulverportionen, die er in die Maschine gibt, stets auf Englisch ab.
Nun freut sich Anton riesig auf seine Geburtstagsfeier, die ein paar Tage nach seinem Geburtstag in seinem Zuhause – unser Wohnheim Leutstettener Straße – stattfinden wird. Bei gutem Wetter wird im Garten gegrillt. Bei schlechtem Wetter wird drinnen ein leckeres Menü vom Metzger aufgetischt. In jedem Fall wird die Blaskapelle aus Pöcking auftreten – ein absolutes Highlight für Anton. Er hat über 40 Gäste eingeladen, darunter seine Mitbewohner*innen, das Wohnheimpersonal, seine Familie sowie einige Freund*innen und Bekannte. Es ist uns eine Ehre, diesen besonderen Tag gemeinsam mit Anton feiern zu dürfen.