Das prämierte Kletterprojekt verbindet Bewegung mit sozialer Teilhabe und stärkt das Selbstvertrauen der Schüler*innen. Seit März tauschten sie einmal pro Woche das Klassenzimmer gegen das DAV Kletter- und Boulderzentrum München-West in Gilching. Dort lernten sie Schritt für Schritt den Umgang mit Klettergurt und Seil, überwanden Ängste und entdeckten ihre eigenen Stärken.
„Für unsere Schüler*innen bedeutet das Projekt weit mehr als Sport“, sagt Carly Neteler, die Schulsozialpädagogin. „Sie erleben, dass sie Herausforderungen meistern können, wachsen über sich hinaus und erfahren, wie schön es ist, gemeinsam Erfolge zu feiern.“
Besonders beeindruckend sei die Atmosphäre innerhalb der Gruppen gewesen. Konkurrenz spielte keine Rolle – stattdessen feuerten sich die Jugendlichen gegenseitig an, motivierten sich und freuten sich gemeinsam über jeden einzelnen Fortschritt. „Es ging nie darum, wer höher klettert. Es ging darum, sich gegenseitig Mut zu machen“, berichtet Carly Neteler.
Auch Schulleiter Alexander Sali sieht in dem Projekt einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe: „Unsere Schüler*innen erleben, dass sie selbstverständlich am öffentlichen Leben teilnehmen können. Das Kletterprojekt bietet ihnen neue Freizeitmöglichkeiten und baut Berührungsängste ab – sowohl bei ihnen selbst als auch in der Gesellschaft.“
Entstanden ist die Idee für das Projekt aus dem Wunsch, den Schüler*innen neue Erfahrungsräume zu eröffnen, und der Begeisterung der Schulsozialpädagogin für den Klettersport. Gemeinsam mit dem Kletterzentrum in Gilching, das sich zunehmend inklusiv ausrichten möchte, Klettertrainerin Marlies Schurz und einem Lehrer mit einer speziellen Kletter-Qualifikation konnte das Angebot umgesetzt werden.
Dass die Franziskus-Schule mit dem Bayerischen Jugendpreis ausgezeichnet wurde, ist für uns weit mehr als eine Platzierung. Die Ehrung macht sichtbar, wie Inklusion gelingen kann und welche Potenziale in jungen Menschen mit geistiger Behinderung stecken. Gleichzeitig unterstreicht sie, dass Gesundheit weit über körperliche Fitness hinausgeht: Mut, Gemeinschaft, Bewegung und Teilhabe sind wichtige Bausteine für ein gesundes Aufwachsen.
Ein besonderer Höhepunkt war die Preisverleihung im Literaturhaus München. Sechs Schüler*innen nahmen die Auszeichnung gemeinsam mit ihren Begleitpersonen und Projektbeteiligten entgegen. Auf der Bühne standen die Jugendlichen selbst im Mittelpunkt und berichteten von ihren Erfahrungen.
Die Auszeichnung ist zugleich Ansporn, ähnliche Projekte ins Leben zu rufen – beispielsweise aus den Bereichen soziales Engagement, Demokratie-Erziehung, Bewegung und Freizeitgestaltung. Ziel ist es in jedem Fall, den Schüler*innen Mut zu machen, Neues auszuprobieren, für ihre Belange einzustehen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.